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Zukunft der Web-Standards - Drei Interviews von der c't

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In der c't 1/07 erscheint ein Artikel über "Webstandards im Wandel", nachdem Tim Berners-Lee HTML weiterentwickeln will. Siehe dazu Heise Newsticker.

Parallel dazu veröffentlicht der Heise-Verlag auf seiner Website drei Interviews von Herbert Braun zu dem Thema. 

Ein Interview mit Håkon Wium Lie, dem CTO von Opera.

Er beklagt darin, dass die Arbeit des W3C in der Vergangenheit oft nicht dem entsprochen hat, was Webdesigner in ihrer täglichen Arbeit brauchen, nämlich vor allem Rückwärtskompatibilität. Die Parole des W3C, alle sollten ihre Browser auf die neueste Version updaten, sei einfach nicht realistisch. Gleichzeitig kritisiert er aber auch, dass viele Web-Designer zu komplizierten Code schrieben mit vielen Anweisungen ohne Auswirkungen und "historischen" Tags aus Angst, ihre Website könne ohne nicht mehr richtig funktionieren. Deshalb wünscht er sich einen Code-Vereinfacher, der solche überflüssigen Dinge aus Websites automatisch eliminieren kann. Zusammen mit anderen WHAT WG-Mitgliedern sieht er den Trend zur "XMLisierung" des Webs, wie es sich das W3C vorstellt, kritisch. Vor allem sei es für Web-Designer schwer zu akzeptieren, dass der Browser beim ersten auftretenden Fehler die Verarbeitung abbrechen solle, wie es XHTML vorsehe. CSS hingegen habe einen anderen Ansatz:

Statt zu verlangen, dass Inhalte nicht verarbeitet werden, haben wir Regeln für den Umgang mit dem Undefinierten definiert. Man nennt das "vorwärtskompatibles Parsen", was bedeutet, dass man neue Konstrukte einführen kann, ohne Altes kaputtzumachen.

Ich glaube also nicht, dass XHTML eine realistische Option für die meisten ist. HTML5 schon.

Interview mit Matthias Schäfer von Selfhtml.

Matthias Schäfer geht mit dem W3C hart ins Gericht wegen seiner Realitätsferne. Das W3C habe sich zu lange von der Nutzerschaft abgeschottet und an unrealistischen Spezifikationen gearbeitet, die insbesondere wie im Fall von XHTML2 für Hobby-HTML-Schreiber viel zu komplex seien, um sie sich anzueignen. 

Nicht nur das W3C hat aus dem Blick verloren, dass das Web ein offenes, demokratisches Medium für jeden sein sollte. Webstandards dürfen daher nicht wie Gesetzestexte nur für wenige Spezialisten verständlich sein.

Interview mit Björn Höhrmann vom Validator -Team des W3C.

Björn Höhrmann kritisiert den Informationsaustausch innerhalb des W3Cs und zwischen dem W3C und "dem Rest der Welt". Außerdem seien viele der Spezifikationen nur schwer verständlich, lückenhaft und es gäbe zu wenig Testfälle, ebenso seien es viele Leid, vom W3C immer nur auf zukünftige Standards vertröstet zu werden. Immerhin habe es in der letzten Zeit einige Bewegung innerhalb des W3C gegeben.

Wichtig ist, deutlich zu machen, was wir vom W3C erwarten können und was nicht. Im Moment verspricht das W3C mehr, als es halten kann.
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