Der Herr Müller

Heute fand ich in meiner Inbox einen dieser wunderbaren Kettenbriefe. Doch statt Freundschaftstest und Androhung von Unglück - es sei denn man schickt diese Mail innerhalb von fünf Minuten an XXX Freunde weiter - lieferte dieser Brief einige etwas unschöne Informationen über Müller-Milch. Darin wird dem Firmenpatriarchen Theo Müller Subventionsbetrug und Parteispenden für die NPD vorgeworfen.

Tatsache oder Verleumdung? Eine kurze Recherche lässt den Brieftext doch recht dünne wirken. Auf der entsprechenden Wikipedia-Seite war im Text selbst zwar kein Hinweis auf diesen Kettenbrief, wohl aber zwei Links.

Der erste Link verweist auf den Hoax-Info-Service der TU-Berlin. Dort heißt es lapidar:

Bereits seit 2005 kursiert -meist als PDF-Datei- eine Kettenbrief-artige E-Mail, in der im Stil der „Sendung mit der Maus“ eine Geschichte über den Milch-Fabrikanten Müller verbreitet wird. Seit einiger Zeit ist eine erweiterte Fassung in Umlauf, in der von angeblichen Spenden an die NPD und einem Wohnsitzwechsel nach Österreich (um Steuern zu sparen) die Rede ist. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Vorwürfen gibt es dafür jedoch keine verlässlichen Belege. Vielmehr wohnt Herr Müller seit 2003 in der Schweiz. Was (noch) nicht in den Kettenbriefen steht, ist der Befund von Greenpeace (2004), dass mehrere Milchbetriebe, die an Müller Milch liefern, so genannten Gen-Mais („Bt-Mais“) verfüttern (oder verfüttert haben).

Der zweite Link führt auf Guido Augustins Blog Fokus-Erfolg. Er zitiert darin eine in schönstem PR-Deutsch formulierte Stellungnahme der Pressestelle auf die Rundmail. In einem anderen Beitrag zitiert er ebenfalls ein Dementi, dass Theo Müller die NPD mit Spenden unterstützt habe.

Ähnlich liest sich auch ein Beitrag im NPD-Blog, wo die Müller Milch AG - mit dem Hinweis, dass Theo Müller CSU-Mitglied sei - Verflechtungen mit der NPD zurückweist.

Was steckt also dran, an dieser anonymen Mail - offensichtlich nicht viel. Auch wenn das Müllers Verhalten in Bezug auf die eingestrichenen Subventionen umstritten ist - siehe die Kommentare bei Fokus-Erfolg.de, so bleibt die anonyme Ketten-Mail doch - vor allem in Hinblick auf die NPD-Spende - Beweise schuldig. Und glücklicherweise geht das deutsche Rechtssystem immer noch davon aus, dass eine Schuld erst bewiesen sein muss.

Also, meine lieben kritischen Freunde, informiert euch bitte, bevor ihr Mails weiterleitet, die kritisch erscheinen, es aber letztlich nicht sind.

 

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