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Saddam ist tot - und der Spiegel schäumt

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Heute gegen 6 Uhr Bagdader Ortszeit wurde der Ex-Diktator Saddam Hussein hingerichtet. Er war für ein Massaker im Jahr 1982 von einem irakischen Gericht zu Tode verurteilt worden.

Saddam bei der UrteilsverkündungFreude muss wohl im Redaktionsbüro von Spiegel Online ausgebrochen sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass  Alexander Schwab einen Nachruf auf Hussein veröffentlichte, der jeglichen Maßstab journalistischer Sorgfaltspflicht vermissen lässt. Er beginnt seinen Artikel mit der bombastischen Festellung "Saddam Hussein war eine Ausgeburt des Bösen." Wow! Welch ein fulminantes Beispiel von Enthüllungsjournalismus. Minutiös zeichnet er anschließend den Weg Saddams von Unterdrückung als Kind, den Einflüsterungen von Großmachtsphantasien durch den Onkel und anschließend von Massaker zu Massaker. Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit Schwab es dabei schafft, immer nur an der Oberfläche zu bleiben und beständig - um es im Sportjargon auszudrücken - nachzutreten.

Leider hat sich der Spiegel damit keinen Gefallen getan, einen solch reißerischen Artikel zu veröffentlichen - zumal andere zeigen, wie es besser geht.

Thomas Avenarius von der Süddeutschen Zeitung zeigt in seinem Nachruf Gewaltsames Ende eines Gewaltherrschers wie man den Tod eines Mannes, an dem so viel Blut klebt, kommentieren kann, ohne als Schreiber in Verdacht zu fallen, dass man selbst eine Stelle als Redakteur eines Saddam-Blättchens erhalten hätte. Avenarius bemüht sich hingegen um ein ausgewogenes Bild, das dem Propagandabild des sprichwörtlichen tollen Kerls nicht in derselben Weise auf den Leim geht wie Alexander Schwab. Und Thomas Avenarius vergisst auch nicht, den geschichtlichen und kulturellen Hintergrund im Irak zu berücksichtigen. Schade, dass man solche Artikel nicht öfters liest.

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