Apple, Microsoft, Real Networks abgemahnt wegen zu wenig DRM

Das Unternehmen Media Rights Technologies (MRT) und seine Internet-Radio-Tochter BlueBeat.com hat den IT-Schwergewichten Microsoft, Apple, Adobe und Real Networks eine Abmahnung geschickt. Das Unternehmen beschuldigt die IT-Schwergewichte, gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) zu verstoßen. Das umstrittene Urheberrechtsgesetz aus dem Jahr 1998 stellt es unter Strafe, Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen, um urheberrechtlich geschützte Werke zu vervielfältigen.

Quelle: Heise

Richtig gelesen? Eine Firma verklagt andere Firmen, weil diese das Produkt der anderen Firma nicht einsetzen will? Oh Wunder der Jurisprudenz! Der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) ist ein umstrittenes Gesetz der Clinton-Regierung, das Urheberrechtsfragen regelt und dabei in erster - so wird von Verbraucherverbänden kritisiert - die Interessen der Musik- und Filmindustrie einseitig bevorzugt. Unter anderem verbietet das DMCA, Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Auf diesen Aspekt beruft sich MRT in seiner Pressemitteilung:

The Digital Millennium Copyright Act (DMCA) was signed into law by President Clinton in 1998 to disseminate and protect the arts in the digital age. It makes illegal and prohibits the manufacture of any product or technology that is designed for the purpose of circumventing a technological measure which effectively controls access to a copyrighted work or which protects the rights of copyright owners. Under the DMCA, mere avoidance of an effective copyright protection solution is a violation of the act.

Quelle: Pressemitteilung von MRT (eigene Hervorhebung)

Folgt man dieser Argumentation, dann müsste jegliche Musik- und Videodatei mit einem Digital Rights Management (DRM) versehen werden, mit dem festgelegt werden kann, wie oft und in welcher Weise eine Datei verwendet werden kann. Nachdem sich die Gunst der Musikindustrie langsam davon abwendet, DRM-Techniken einzusetzen, sehen die Hersteller solcher Software wohl nun ihre Felle davonschwimmen.

Apples CEO Steve Jobs hatte dies mit seinen Thoughts on Music vom 6. Februar 2007 losgetreten. Jobbs  argumentierte damals, dass DRM bislang nicht von den Kunden angenommen worden sei:

Why would the big four music companies agree to let Apple and others distribute their music without using DRM systems to protect it? The simplest answer is because DRMs haven’t worked, and may never work, to halt music piracy. [...]

So if the music companies are selling over 90 percent of their music DRM-free, what benefits do they get from selling the remaining small percentage of their music encumbered with a DRM system? There appear to be none. If anything, the technical expertise and overhead required to create, operate and update a DRM system has limited the number of participants selling DRM protected music. If such requirements were removed, the music industry might experience an influx of new companies willing to invest in innovative new stores and players. This can only be seen as a positive by the music companies.

Quelle: Steve Jobs, Thoughts on Music

Das dürfte eine interessante Auseinandersetzung werden - auf der einen Seite MRT mit der Meinung, dass die Verbreitung ungeschützter Musik durch die Rechteinhaber selbst schon einen Strafbestand darstelle, auf der anderen Seite Apples Erfahrung, dass DRM außer Investitionen nichts bringe.

Holger Struck fragt in seinem Blog schon, ob der DMCA eine Lizenz zum Geld drucken sei. j79zlr hingegen hofft in einem Forenbetrag auf osnn.net, dass solche "idiotischen Abmahnungen" dazu führen, dass der DMCA geändert werde. (Dream on!) Nate Anderson gibt in diesem Blogbeitrag noch ein paar Hintergrundinfos.

Nachtrag:

Spiegel Online berichtet über MRTs Abmahnaktion.

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