Timo Kozlowskis Website

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Ubuntu 11.04 - Ein erster Eindruck

E-mail Print
User Rating: / 14
PoorBest 

Ich warte normalerweise ein bis zwei Wochen ab, wenn eine neue Ubuntu-Version erscheint, ehe ich upgrade - und gerade für Ubuntu 11.04 "Natty Narwhal" wollte ich erst recht abwarten, wie die ersten Erfahrungen in Blogs mit der neuen Oberfläche Unity ausfallen. Nachdem die allerersten Kritiken nicht sonderlich positiv aufgefallen sind:

Ubuntu 11.04 hinterlässt einen eher gemischten Eindruck: Zwar kann Unity - wenn man sich mal darauf eingelassen hat - mit einigen durchaus interessanten und wohl durchdachten Konzepten aufwarten, die das Zeug haben, den Desktop-Alltag zu erleichtern. Gerade die starke Suche und das "Lenses"-Konzept bergen hier noch einiges an Potential für die Zukunft. Gleichzeitig wirkt die aktuelle Version aber an all zu vielen Stellen wie eine Baustelle, um wirklich ungetrübte Begeisterung aufkommen zu lassen. Aber klar: Angesichts des kurzen Entwicklungszyklus von Ubuntu und des Umstands, dass man dann auch noch Unity auf Basis von Compiz reimplementiert hat, war wohl nicht groß etwas anderes zu erwarten. Insofern sollte beim Testen bedacht werden, dass es sich hierbei erst um einer erste Version handelt. Viele der jetzt noch unübersehbaren Probleme und losen Fäden werden wohl schon bis zur kommenden Release im Oktober ausgebügelt sein.

Andreas Proschofsky: Ein Wagnis namens Unity.

hatte ich am 28. April den festen Entschluss gefasst abzuwarten.

Ich hielt es nicht lange durch - die Neugier auf Unity war doch zu groß. Meine ersten Erfahrung mit Canonicals Oberfläche hatte ich schon auf meinem Netbook gemacht in Ubuntu 10.10 Netbook Remix. Vieles fand ich damals schon vom Konzept her ansprechend gelöst (wie Programme gestartet werden, die Suchfunktion für Dateien, der kontextbasierte Umgang mit Dateien), allerdings krankte Unity in Ubuntu 10.10 noch an der Umsetzung.

Und von dem Stand ausgehend, kann die neue Version von Unity doch nur besser sein - so legte ich es mir zurecht, meine anfänglichen Bedenken über Bord zu werfen, und zunächst auf meinem Netbook Ubuntu 11.04 auszuprobieren.

Erster Eindruck

Unity wirkte in Ubuntu 11.04 sehr viel überzeugender umgesetzt als in Ubuntu 10.10 - wie der Schritt von einer Beta-Version auf die Release-Version. Besonders zugesagt hat mir:

  • die verbesserte Tastaturbedienbarkeit, z.B. dass der Programmstarter mit der Windows-Taste aufgerufen werden kann.
  • die verbesserte Suchfunktion, aber siehe unten.
  • einfacheren Zugang zu Nautilus. In Ubuntu 10.10 war es das größte Manko für mich, dass man nur mit Umwegen den Dateimanager starten konnte.
  • Firefox 4 - v.a. wegen der Sync-Funktion für Lesezeichen etc. Endlich hat es ein Ende mit dem Chaos auf verschiedenen Rechnern; und weil die Ubuntu-Entwickler Firefox 4 sehr gut in Unity eingebunden haben. Vor allem bei niedriger Bildschirmauflösung nutzt Firefox 4 den Raum auf dem Bildschirm effizienter aus als Chromium.
  • der generelle Eindruck ist, dass Unity in vielen Details, die mir noch nicht bewusst geworden sind, gefühlt 'runder' läuft.

Verbessert werden könnte noch:

  • die Suchfunktion. Zum einen werden bestimmte Ordner und Dateien auf dem Rechner einfach nicht gefunden, auch wenn die Schreibweise stimmt und ich die Dateien schon geöffnet habe. Ich hatte abgewartet - vielleicht waren diese Dateien noch nicht indiziert -, aber nach über einer halben Woche sind die Dateien über die Suchfunktion immer noch nicht zugänglich. Zum anderen warte ich noch auf den nächsten Schritt, einer stärker kontextbasierten Suche. Aber da ist wohl Gnome Zeitgeist auch noch nicht soweit, deshalb abwarten.
  • die neue Platzierung der Menüs am oberen Bildschirmrand `a la MacOS X. Zum einen funktioniert das noch nicht bei allen Programmen (z.B. bei Libre Office erscheinen die Menüs weiterhin im Fenster, Chromium hat gar keine Menüs im klassischen Sinn), zum anderen scheint mir das bei höheren Auflösungen eher unpraktisch, weil das Menü dann weit vom Fenster entfernt sein kann. Das ist mir so das erste Mal aufgefallen, als ich ein MacBook ausprobiert hatte.
  • die neuen Scrollbalken im Fenster. Sieht nett aus, aber ich klicke ständig daneben und erwische die Greifer nicht immer beim ersten Mal.

Alte Zöpfe

Seit Jahren schon ärgere ich mich darüber, dass sich sehr wenig tut in der Art, wie man mit Dateien umgeht. Wer sich mit Kollegen ein Netzwerklaufwerk teilt, kennt sicher das Problem, dass man ständig Dateien sucht, weil sie nicht in dem Ordner gespeichert sind, wo man sie selbst gespeichert hätte, dass Dateien manchmal semantisch in mehrere Ordner passen würden, dass die Suchefunktion nicht komfortabel, dafür aber langsam ist etc. pp.

Deshalb bin ich froh darüber, dass Unity und Gnome 3.0 endlich ein paar alte Zöpfe abschneiden. Mit kontextbasiertem Umgang mit Dateien wird schon seit Längerem experimentiert und entwickelt - dass die Konzepte nun soweit gediehen sind, dass sie (ansatzweise) alltagstauglich sind, empfinde ich als eine Befreiung von Konzepten aus den 1980ern. Und das wurde endlich mal Zeit.