Loo Zihan is a film maker

Ich hatte am Samstagnachmittag noch keine Ahnung, dass ich ein paar Stunden einen der beeindruckendsten Filme gesehen haben sollte: Solos von dem singapurischen Filmemacher Loo Zihan. Solos läuft knappt 70 Minuten und kommt völlig ohne Dialog aus — und doch hat man beim Abspann mehr über die Figuren des Films erfahren als in so manchem Dialogdrama.

Solos erzählt die Geschichte von einem Jungen (Loo Zihan), der ein Verhältnis mit seinem Lehrer (Yu Beng Lim) hat, und der Mutter des Jungen (Guat Kian Goh). Der Lehrer — oder wie er im Abspann nur genannt wird der Mann — und der Junge stecken in einer sehr zwiespältigen Beziehung, die geprägt ist von der gegenseitigen Suche nach Nähe und dann wieder von gegenseitiger Abweisung. Die Mutter kommt nicht damit zurecht, dass ihr Sohn sie verlässt und ein eigenes Leben beginnt — und vermutlich auch wegen seiner Homosexualität.

Das Bemerkenswerte an Solos ist, dass er nicht einfach nur ein Stummfilm ist, sondern dass — abgesehen von zwei kurzen Szenen — die Charaktere zu keiner Zeit beim Reden zu sehen sind. Gerade dadurch gewinnt der Film seine immense Kraft, denn die Isolation, in der die Figuren gefangen sind, kommt so auf eine ganz eigene Weise beim Zuschauer an. Die einzigen Sequenzen, in denen die beiden Figuren Mann und Junge bei sich sind, sind die Sex-Szenen. Und diese verstecken (fast) nichts (ein Freund bezeichnete den Film stellenweise als 'borderline gay porn') und sind auch der Grund, warum Solos bis jetzt noch nie in Singapur gezeigt werden konnte — zumindest nicht offiziell. Loo Zihan nahm bei den Fragen des Publikums in Hinblick auf Zensur in Singapur auch kein Blatt vor den Mund, aber zumindest in der Beziehung geben sich Thailand und Singapur nicht viel.

Auch wenn die Sex-Szenen ein wichtiger Teil des Films sind, so sollte man sich nicht von diesem plakativen Teil blenden lassen. Den beeindruckendsten Teil hatte für mich Guat Kian Goh mit ihrer Darstellung der Mutter. Guat Kian Goh ist in Singapur eine bekannte Theaterschauspielerin, und diese dort gesammelte Erfahrung merkt man in jeder Einstellung. In nur wenige Bewegungen einer Einstellung deutet sie ein immenses Reservoir an Gefühlen ihrer Figur an, ohne diese in den Vordergrund zu stellen. Es ist eine tiefe Einsamkeit und Verlorensein, in das sie ihre Figur aber nicht sich verlieren lässt. Sie spielt die Mutter durchaus mit einem Augenzwinkern, gibt die Figur aber niemals der Lächerlichkeit preis. Damit spielt sie in derselben Kategorie wie Corinna Harfouch in Sexy Sady oder Tony Leung in Lust, Caution.

Ebenfalls beeindruckt hat mich die visuelle Gestaltung des Films. Er ist fast durchgehend in einem schwarz-weiß-Ton gehalten, der dennoch einen Schimmer der ursprünglichen Farbe vermuten lässt. Nur die Träume der Figuren sind in Farbe.

Alles in allem ist Solos ein Film, der es nicht jedem Zuschauer einfach macht. Wer sich darauf einlassen kann, der wird mit einem der ungewöhnlichsten Filmerlebnisse belohnt.

Offizielle Website zum Film

Loo Zihans Blog

Matt McClure interviews Loo Zihan (YouTube)

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