Alien: Covenant

„Alien: Covenant“: Oder die Irrungen und Wirrungen eines Filmes mit seinen Vorgängern

Ein Raumschiff empfängt einen geheimnisvollen Funkspruch. Man versucht, dem Ursprung auf den Grund zu gehen, fängt sich ein schleimiges Monster ein, das bis zu seiner Vernichtung fast die gesamte Crew eliminiert. Wenn man ankreuzen soll, ob dies die Zusammenfassung von „Alien“ aus dem Jahr 1979 oder „Alien: Covenant“ von 2017 ist – beides ist richtig.

Aus Ridley Scotts erstem „Alien“-Film ist in den 38 Jahren dazwischen ein bekanntes Franchise geworden mit Filmen, Comics, Computerspielen, Cross-Over mit dem „Predator“, Judge Dredd, Batman. Insofern ist es erstaunlich, wie konsequent Ridley Scott, der dem Thema bis zu „Prometheus“ den Rücken gekehrt hatte, zum ursprünglichen Handlungsrahmen zurückkehrt.

In „Prometheus“ griff Scott viele visuelle Ideen auf, die schon für den ersten „Alien“-Film vorgesehen waren, damals aber aus Budgetgründen nicht umgesetzt werden konnten. Zusätzlich fügte er der „Alien“-Filmreihe in „Prometheus“ eine metaphysische Ebene hinzu durch die Frage, woher wir kommen, wer uns geschaffen hat. Angesichts des schon beschriebenen Kulturkampfs in den USA zwischen Darwinisten und Kreationisten eine kulturhistorisch interessante Entwicklung innerhalb der Filmserie.
Eine solche Ebene übernimmt Scott aus „Prometheus“ und kombiniert sie mit dem Origina-„Alien“. Das Ergebnis ist „Alien: Covenant“. Es ist in dem neusten Film nicht so sehr die Frage nach dem woher, sondern das Thema, das den Film von Anfang bis Ende durchzieht, ist Fortpflanzung.

Quasi als Prolog sieht man den Industriellen Peter Weyland den Androiden David aus „Prometheus“ erwecken - oder lieber einschalten? Hier fragt David seinen Schöpfer noch, wer ihn erschaffen habe. Im weiteren Verlauf des Films wird der Kunstmensch selbst zum Schöpfer. Dieser Handlungsbogen greift Elemente von „Frankenstein: Or the Modern Prometheus“ auf, also die Geschichte vom künstlich geschaffenen Wesen, dem die Möglichkeit zur Fortpflanzung von seinem Schöpfer vorenthalten wird. In „Frankenstein“ bittet die Kreatur seinen Erschaffer um eine Gemahlin. Ein Wunsch, dem Victor Frankenstein beinahe nachkommt und erst in letzter Sekunde vereitelt aus Furcht vor der Generation an Monstern, die dieser Verbindung entspringen mögen. In „Alien: Covenant“ wird dieser monströse Nachwuchs Realität. Zwischen „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ schuf David aus der Biowaffe der ‚Konstrukteure‘ das Xenomorph, das aus dem ersten Film bekannt ist. Das künstliche Geschöpf ist selbst zum Frankenstein geworden.

Leider geriet die Umsetzung so wirr, wie es sich im letzten Absatz liest – und traurigerweise setzt Ridley Scott auch die Tradition der logischen Löcher im Plot fort. In „Alien“ überdeckten die überaus starken archaischen Elemente der Geschichte und das Fehlen von Bezügen auf eine Welt außerhalb der unmittelbaren Handlung, wodurch „Alien“ teilweise den Charakter einer psychologischen Parabel erhält, diese noch. „Alien: Covenent“ fügt dem Handlungsmuster zu viele Bezugnahmen auf Geschehnisse der Hintergrundgeschichte hinzu, um diese Löcher erfolgreich zu übertünchen. (The Telegraph: 10 questions you may have after seeing Ridley Scott‘s Prometheus sequel)

Die Stärke des Regisseur Ridley Scott liegt jedoch in einem anderen Bereich, den er auch in „Alien: Covenenant“ ausspielt. Er denkt in Bildern – in Bildern, die sich einprägen. Egal ob „Blade Runner“, „Thelma and Louise“, „The Duellists“ oder eben “Alien” und “Prometheus” – bei diesen Filmen denke ich zuerst immer an ihre visuellen Qualitäten. „Alien: Covenant“ hat diese Qualität auch. Diese macht den Film wirklich sehenswert. 
Genauso wie Michael Fassbender in seiner Doppelrolle als die Androiden David und Walter. Wie subtil er die Unterschiede zwischen beiden spielt ist ein Höhepunkt des Films. Leider bleiben die menschlichen Figuren eher skizzenhaft – mehr wie hingehuschte Zitate der Crew der „Nostromo“ aus „Alien“.

Somit entstand ein Film, der sich seiner Position innerhalb der „Alien“-Filmreihe selbst unsicher zu sein scheint. Ist er nur Teil einer Reihe von ‚Prequel‘ – oder doch ein ‚Remake‘ des ersten Film – oder ein ‚Reboot‘? Oder doch etwas Eigenes? Irgendwie stecken Elemente von allen diesen Möglichkeiten in „Alien: Covenant“, ohne dass er sich für eines davon entscheidet.

Alien: Covenant (USA 2017)
122 Min.
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup
Drehbuch: Jack Paglen, Michael Green, John Logan, Dante Harper

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